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NOTIZEN ZUM PRESSE-APÉRO VOM 18. JUNI 2008 Jugendlicher Thronfolger Auch Könige fangen klein an
Nach dem Ableben des alten Löwenkaters BHAGIRATH Ende März dieses Jahres hat das junge Männchen RADJA dessen Nachfolge angetreten. Auf den ersten Blick ist RADJA nicht so ohne weiteres von seiner Gefährtin JOY zu unterscheiden. Er ist wohl etwas grösser, doch noch ziert ihn keine Mähne, es ist vielmehr erst ein Flaum, der die kommende Pracht andeutet.
RADJA ist Mitte Juli 2005 im Zoo von Besançon zur Welt gekommen und mit 3 weiteren Geschwistern aufgewachsen. Ende August 2007 kam er nach Zürich und wurde zunächst in den Hintergrundanlagen untergebracht. Seine Eingewöhnung erwies und erweist sich immer noch als Herausforderung. Von Haus aus nicht an ein geregeltes Management gewöhnt, weicht RADJA den ihn betreuenden Tierpflegern aus. Trotz aller vertrauensfördernden Massnahmen hat er seine Scheu bisher beibehalten. Dies erschwert das Management insofern, als dass das gezielte Verschieben dieses Tieres von einem Gehegeteil zum anderen für Reinigungsarbeiten oder Fütterungsvorbereitungen mit grossem Aufwand verbunden ist.
Des Prinzen Prinzessin Nachdem RADJA auf eigenen Tatzen die Löwenanlage erkunden konnte und über Tage die Möglichkeit hatte, durchs Gitter die mit 41/2 Jahren auch noch recht jugendliche Löwendame JOY kennen zu lernen, wurden die beiden Löwen am 30. April unter sichernden Vorkehrungen zusammen gelassen. Die erste Begegnung verlief mit Ausnahme weniger ‚Faucher’ friedlich, die Tiere zeigten sich aneinander interessiert. Es ist wohl übertrieben von Liebe auf den ersten Blick zu sprechen, vielmehr dürften diese sozial organisierten Tiere nach der Trennung von der Familie und dem Verlust des früheren Partners am Kontakt mit einem Artgenossen interessiert gewesen sein.
Das friedliche Zusammenleben dieser beiden Löwen hält an. Von der mit den Pflegern gut vertrauten JOY wurde erhofft, dass sie ihren neuen Partner ‚mitzieht’ und so den Gehegewechsel erleichtert. Doch da fehlte es ihr offenbar an Überzeugungskraft: Einmal in der grossen Aussenanlage, konnte RADJA für 5 Tage nicht mehr ins Haus gebracht werden. Seither gibt es zaghafte Fortschritte, konnten beide Löwen mehrfach ins Haus genommen werden, was jeweils mit einer Futtergabe auch belohnt wurde. Der bevorzugte Aufenthaltsort von RADJA und JOY ist im hinteren Teil der grossen Aussenanlage. Eine bei kühlem Wetter geheizte Bodenplatte bietet dort einen gewissen Liegekomfort und ein liegender Baumstamm erlaubt den beiden, vor den vorbei spazierenden Besuchern in Deckung zu gehen. JOY wurde Ende 2003 im Zoo Frankfurt geboren und kam gegen Ende 2006 nach Zürich. Sie fasste schnell Vertrauen zu den Pflegern, was ein ‚easy handling’ ermöglichte. Mehr Könige braucht das Zuchtprogramm Es ist schon fast ein Glücksfall, dass wir für BHAGIRATH schon jetzt einen Nachfolger erhalten haben. Im Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm (EEP) für den Indischen Löwen herrscht zur Zeit akuter Männchen-Mangel. Anfangs 2007 lebten 35 Männchen und 50 Weibchen in 33 Zoos und Tierparks in Europa (ausserhalb Indien hält einzig Europa eine Zoo-Population Indischer Löwen). In der Zwischenzeit sind Männchen gestorben, weitere Männchen sind noch zu jung, um die Familie zu verlassen. Ein Import von weiteren Tieren aus dem Herkunftsgebiet in Indien – was nur schon aus genetischen Gründen wünschenswert wäre – ist aus verschiedenen Gründen momentan nicht möglich.
Königliche Untermieter Da Löwen sehr ruhebedürftige Tiere sind und ein Grossteil der täglichen Aktivität vom Liegen eingenommen wird, ist geplant, weitere, aktive Tiere in die Löwenanlage zu integrieren. Dafür vorgesehen ist eine Zwergotter-Familie, die getrennt von den Löwen jeweils nicht von diesen genutzte Gehegeteile bewohnen soll. Die Zwergotter-Familie muss sich im Hintergrund noch etwas gedulden, da sie eben erst Nachwuchs bekommen hat und wir noch weitere Fortschritte im Handling der Löwen abwarten möchten.
Gir Forest – letztes Königreich für den Indischen Löwen Der Indische Löwe lebte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in grosser Zahl in ganz Indien. Heute sind es noch rund 350 Tiere, die im Gir Forest Nationalpark einen letzten Zufluchtsort gefunden haben Durch die Jagd, die zur Kolonialzeit in Indien ausschliesslich den Fürsten erlaubt war, schrumpfte die Löwenpopulation auf einige wenige Dutzend Tiere. Einer dieser Fürsten (Maharajas) der Nawab von Junagadh, verfügte 1930 den Schutz der Tiere in seinem Gebiet, als der Bestand nur noch 20 Grosskatzen betrug. Gleichzeitig gestattet er dem Hirtenvolk der Maldharis ihre Büffel im Gir Forest weiden zu lassen. Die 20'000 Büffel zerstörten bald die Futtergrundlagen der wilden Huftiere, wie Sambar- und Axishirsche, die natürliche Beute der Löwen. Der Konflikt war vorprogrammiert. Als Vegetarier nutzten die Maldharis nur die Milch der Büffel und die Zahl der Nutztiere stieg weiter an. Bald bestand 75% der Löwenbeute aus Büffeln.
1963 wurde der Gir Forest unter Schutz gestellt. Die gesamte Zone umfasst heute einen 269 km2 grossen Nationalpark und eine Pufferzone von 1260 km2. Anfang der siebziger Jahre wurde die Kernzone von einer Mauer umgeben, 200 Hirtenfamilien umgesiedelt und mit Land und Vieh entschädigt. 1980 hatten sich Vegetation und Wildbestand in der geschützten Kernzone erholt und diese beherbergte wieder einen Tierbestand von dreizehn Säuger- und dreihundert Vogelarten. Die Zahl der Löwen stieg auf 200 und wird heute auf 350 geschätzt.
Die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie, die Basisstrategie des Zoo Zürich, beinhaltet die Förderung von Entwicklungsprojekten in der Heimat der Tiere. Der Zoo Zürich unterstützt deshalb den Aufbau eines neuen Naturschutzreservates für Löwen in Indien. Trockenwälder bilden den Lebensraum der Indische Löwen. Hier leben sie in kleinen Gruppen, ein Männchen mit meist nur zwei bis drei nahe verwandten weiblichen Tieren. Durch die kurze Mähne und die doppelte Bauchfalte unterscheidet sich der Indische Löwe deutlich von seinem Vetter, dem Afrikanischen Löwen.
Der Indische Löwe Verwandtschaft: Raubtiere, Katzen, Lebensraum: Trockenwald, Monsunwald, Futter: Beutetiere bis Hirschgrösse, Gewicht Männchen: 175 kg, Gewicht Weibchen: 125 kg, Gewicht Jungtier: Neugeborene 900 bis 1200 g, Paarungszeit: ganzjährig, Tragzeit: 105 bis 110 Tage, Wurfgrösse: 2 bis 4 Junge, Geschlechtsreife: Weibchen: 3 Jahre, Männchen: 3 (in Menschenobhut) bis 5 bis 6 Jahre (Freiland), Lebenserwartung: Männchen: 14 bis 16 Jahre (max. 19), Weibchen: 17 bis 18 Jahre (max. 21), Lebensweise: gemischte Rudel
Für weitere Informationen Dr. Robert Zingg, Kurator, Zoo Zürich, Telefon: 044 254 25 00 medien@zoo.ch Text und Bilder sind elektronisch erhältlich unter: www.zoo.ch/medien
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